Archiv für Juli 2008

Stimmungsgedicht (naja)

Schwarz ruht die Nacht; sie liegt sanft auf den Wäldern.
Sorgsam bedacht sind Kiefern und Felbern.
Ein Käuzchen ruft, sonst ist alles still:
Der Mond scheint heut’ nicht, weil er nicht will.
Zwei Gestalten am Moosbett, sie brauchen kein Licht -
denn Tastsinn hat man (oder auch nicht).
Hände und Lippen erkunden den andern
während im Wald kleine Tiere wandern:
Von ihren Höhlen in den Magen vom Käuzchen
so enden auch die mit possierlichen Schnäuzchen.
Das Menschenpaar ist derweil noch recht heiter -
in neun Monaten seh’n wir dann weiter;
denn in ein so naturnah’s Gedicht
passte nunmal kein Gummi nicht.

Es bleibt zum Schluss noch die Moral:
Kleintiere gibt es ohne Zahl,
drum darf man sie verspeisen lassen
während sich Menschen zärtlich fassen -
das Käuzchen steigt dabei gut aus
und fliegt im Dunkeln satt nach Haus.

Wann

Du hältst ihn.
Hältst ihn fest.
Lässt ihn nicht fallen.
Wann. Ja wann.
Hältst du endlich einmal deinen Mund.

Du schließt.
Die Tür hinter ihm.
Schließt ein Kapitel ab.
Wann. Ja wann.
Schließt du endlich deine Augen und vergisst.

Du hörst.
Das Knarzen des alten Gemäuers.
Die Laute der Stille.
Aber wann. Ja wann.
Hörst du endlich einmal auf dich.

Mimose

Empfindsamkeit – was für ein Wort -
stiller Gefühle stiller Hort.
Die Trauer, die nicht klagend klingt,
die Freude, die nicht jauchzt und singt,
die Liebe, die nur liebt, sonst nichts:
Sie sind so unbeschreiblich zart,
die Welt für sie doch viel zu hart. -
Empfindsamkeit, Geschenk des Lichts,
Gabe des Himmels (den man preist)
und glücklich du, der du nicht weißt,
was sanfte Seelen mit sich tragen:
Die Freude zart und auch die Plagen.