Archiv für August 2008

Bahnhofshalle

Die Züge fahren
ein und aus:
bis auf den letzten Platz
vollgepropft mit Leuten,
die anderswohin wollen
oder müssen.

Ich stehe alleine
in der Bahnhofshalle.
Bleibe hier:
stundenlang,
tagelang,
vielleicht für immer.

Du hast gesagt,
du kommst wieder,
als du damals
weggefahren bist.
Ich warte
immer noch.

Die Rücklichter
jedes Zuges
sind für mich die,
die ich mit dir
verschwinden sah.
Vor so langer Zeit.

Irgendwer hat gestern
nach meinem Pass gefragt;
man hat Verwandte
kontaktiert;
sie kommen mich zu holen.
Dabei hole doch ich dich ab
wenn du wiederkommst.

Und du kommst doch
wieder? Ja?
Sie müssen mich
aus dem Bahnhof zerren.
Sie bringen mich weg
als dein Zug einfährt.

Es ist dein Zug;
ich weiß es.
Ganz gewiss.
Ich will zurück,
dich begrüßen.
Sie lassen mich nicht.

Sie sagen,
du kämst nicht mehr,
nie mehr.
Weil dein Zug damals
verunglückt ist.
Das stimmt doch nicht.

Das stimmt doch nicht.

Nach Griechenland

Nach Griechenland
in den weißen Sand
Sorgen sind unbekannt
ich starre unverwandt
hinaus aufs Meer
die Wellen schlagen
ich will nichts wagen
mich nicht plagen
nie mehr was sagen
ich bleibe leer.

Ein Monster im Haus

Man hört es trippeln und stampfen,
man hört es schmatzen und mampfen:
Die Stille hallt durch’s ganze Haus
und alle tun als wär’n sie aus.

Die alte Frau im ersten Stock
(bekleidet nur mit Unterrock)
sitzt voller Angst in ihrem Schrank:
Wenn’s Monster kommt, stellt sie sich krank.

Das Pärchen auf Etage zwei -
das kleine Hündchen stets dabei -
fasste soeben den graus’gen Entschluss:
Wenn’s sein muss ist mit Waldi Schluss.

Die Familie im dritten Geschoß
hat an der Tür ein neues Schloss.
Wer kommt, zu morden und verletzen,
auf den wird man die Kinder hetzen.

Im vierten Stock, gleich unterm Dach,
sind drei Studenten stets hellwach.
Wer heut’ nicht abspült nach dem Essen
wird des Untiers gefundenes Fressen.

Im Parterre, nah am Verzagen,
(weil erst den Hausmeister im Magen)
blickt unser Monster auf und nieder:
Kein Lift im Haus? – Dann geh’ ich wieder.

Wiedergefunden aus 2004

Die Nacht ist schon vergangen,
der Himmel noch verhangen
mit Wolken weiß und grau.
Und dass ich mich erhebe
und wieder weiterlebe –
frag’ mich: Warum genau?