Der Vampir liegt im Sarg und wartet schon lang
auf Ferienzeiten nach Sonn’nuntergang -
ohne Kreuze, Weihwasser und Knoblauch
denn ihm ist fade und Durst hat er auch.
Doch es folgen ja nun herrliche Nächte:
er ließ sich verschicken weil Urlaub was brächte
- Erholung, Entspannung und frisches Blut -
so meinte das Untotenreiseinstitut.
Der Werwolf am Schalter hat seltsam gekichert:
Es ginge ganz schnell, das sei ihm versichert -
er schliefe in Transsilvanien ein
und würde am Abend im Süden sein. -
Verglichen mit früher ein großer Komfort:
kaum ist man weg, schon ist man dort.
Der Vampir war entzückt und buchte den Flug
- einmal Jerez – doch war das klug?
Das fragt er sich seit Stunden nun:
er ist schon wach und hat nichts zu tun
weil die dumme Sonne nicht untergeht -
also wirklich, wenn das wer versteht!
Ein Blick auf den Wecker – das darf’s doch nicht geben -
es ist schon nach neun, das ist doch kein Leben!
Ist die Zeitzone falsch? Was lief da bloß schief?
Das Loch im Magen dehnt sich schon tief.
„Herrenloser Sarg, gestern entdeckt,
innen voll Staub, außen verdreckt“,
stand vier Tage später als Sensation
im Allgemeinen Jokkmokker Stadtpostillon.
Der Vampir hatt’ ein Stück nur geöffnet den Sarg
doch der schwed’sche Polartag war gar zu arg:
Um Mitternacht Sonne, das ließ ihn zerfallen,
„Verdammter Polarkreis“ konnt’ er noch lallen.
Und die Moral von der Geschicht’?
Trau einer Werwolfsklaue nicht -
Schönschrift ist nichts für halbe Tiere,
’s gibt bloß ein schreckliches Geschmiere.
Dann: Sieh, das Gute liegt so nah,
es bleibt bei bir, bleibst du nur da. -
Liebe Vampire, auf ein Wort:
Fahrt nicht fort, beißt im Ort!
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